Schutztruppe
Von 1884 bis 1887 gab es in Deutsch Südwestafrika keine Schutztruppe.
1884 (0)
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1887 (0)

Dr. Goering warb im Februar 1888 in Deutschland den Leutnant von Quitzow und den Unteroffizier Schad an, Ende April 1888 in Kapstadt den Leutnant von Steinaecker und vier ehemalige deutsche Unteroffiziere; dazu traten im Mai zwanzig eingeborene Südwester Bastard- und Hottentotten-Soldaten. Die Zusammensetzung und Stärke ermöglichte nur eine Verwendung im Ordnungs- und Polizeidienst.
Gegenüber verschiedenen ungünstigen Beurteilungen dieser ‚ersten deutschen Schutztruppe’ äußert sich Dr. Bernhard Schwarz, der 1888 eine Expedition durch das Damaraland führte, anerkennend über das höfliche und bescheidene Auftreten wie auch über das gute militärische Benehmen – bis zum fehlerfrei allabendlich geblasenen Zapfenstreich.
Diese ersten Soldaten der Schutztruppe landeten am 2. Mai 1888 in Walvis Bay unter dem Befehl von Ulrich von Quitzow auf dem britischen Schiff Venus in der Kolonie. Sie wurden alle in Otjimbingwe stationiert.
Es waren:
Von Quitzow, Hans-Ulrich, Leutnant; Von Steinäcker, Franz Christian Ludwig Freiherr, Leutnant; Böhsel; Brehmen M; Grundmann Wilhelm; Höpfner Karl; Schad Arnold, Unteroffiziere.

1888 (7)
Leutnant Hugo von François, seit Jahren Adjutant des II. Bataillons Infanterie-Regts. Fürst Leopold von Anhalt-Dessau (1. Magdeburgisches) Nr. 26 in Magdeburg, erhielt am 15. April 1889 die Aufforderung, sich in Berlin bei der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes zu melden. Hier eröffnete man ihm, daß er mit der Bildung der Schutztruppe für Südwestafrika betraut werden solle. Die Mannschaften wurden durch Vermittlung des preußischen Kriegsministers und der Generalkommandos aus Freiwilligen des aktiven Heeres und des Beurlaubtenstandes zum 15. Mai 1889 nach Berlin einberufen.
Die Auswahl tropendienstfähiger und geeigneter Soldaten, ihre zweckmäßige Bekleidung, Ausrüstung und Bewaffnung erforderten mancherlei Überlegungen. Die Einkleidung der 21 Mann starken Truppe konnte jedoch zum festgesetzten Zeitpunkt in Berlin erfolgen. Die Uniformen waren nach den Angaben des Missionars Büttner in der dortigen Werkstatt des Deutschen Offizier-Vereins hergestellt worden.
Die Truppe – nach außen hin für eine wissenschaftliche Expedition bestimmt – fuhr am 19. Mai 1889 von Berlin nach Rotterdam, von dort nach Liverpool und dann auf dem englischen Dampfer ‚Clan Gordon’ nach der Kanarischen Insel Teneriffa.
Hier traf Hauptmann Curt von François am 7. Juni 1889 mit dem Transport zusammen. Auf seiner vorgesehenen Fahrt von Togo über Madeira – Kapstadt nach Südwestafrika erreichte ihn in Madeira ein Berliner Telegramm, das ihn anwies, in Teneriffa Anschluß an die Expedition zu gewinnen.
Sein Bruder, Leutnant Hugo von François, stellte ihm die neugeschaffene Schutztruppe vor. Er sah, daß die Expedition keine rein wissenschaftliche war. Man hatte in Berlin diese Bezeichnung gewählt, um Schwierigkeiten bei der Fahrt durch England und bei der Landung in der britischen Walvis Bay am 24. Juni 1889 zu vermeiden.
Die ausgewählten Soldaten machten einen guten Eindruck auf ihren künftigen Kommandeur.

Es waren:
Hauptmann Curt von François, Leutnant Hugo von François,
aus dem aktiven Heer – Sergeant Heller, Unteroffizier Schmidt, Unteroffizier Trautvetter, Gefreiter Kallweit, Gefreiter Lukas, Jäger Bremen, Grenadier Hellberg, Grenadier Schulz,
aus dem Beurlaubtenstand – Unteroffizier Ballnuß, Unteroffizier Dietrich, Unteroffizier Dörk, Sanitäts-Unteroffizier Scadok, Einjähriger Freiwilliger Broll, Husar Felix, Ulan Jahn, Ulan Thiemann, Pionier Hahne, Pionier Stenzel, Trainsoldat Heim und Ökonomiehandwerker Rahn.
Nach Truppengattungen geordnet bestand die Schar aus 8 Infanteristen, 6 Kavalleristen, 3 Feldartilleristen, 2 Pionieren, 1 Trainsoldat und 1 Militärökonomie-Handwerker.
1889 (23)
Am 27. Januar 1890 landete in dem damals noch benutzbaren Sandwichhafen südlich der Walvisbay die beantragte Verstärkung – 43 Mann – der Truppe. Dadurch wurde ein Marsch durch das englische Gebiet vermieden. Transportführer war der schon in allen kolonialen Kreisen bekannte Leutnant Georg Maercker. Er brachte auch die neue Bewaffnung – Infanterie-Gewehr M/88 – und die entsprechende Munition mit. Leutnant Hugo von François und die alten Truppler Heller, Dörk, Kallweit und Hellberg nahmen am 2. Februar 1890 die Neulinge in Sandwichhafen in Empfang und führten sie nach Tsaobis.
Es waren:
Gefreiter Aleite, Reiter Bohr, Reiter Bröker, Reiter Classen, Reiter Christ, Reiter Ehmke, Gefreiter Franke, Büchsenmacher-Unteroffizier Gathemann, Gefreiter Glatz, Büchsenmacher-Unteroffizier Gutsche, Reiter Hannemann, Reiter Hähn, Reiter Hardczewsky, Gefreiter Henker, Gefreiter Johr, Gefreiter Junker, Reiter Keller, Reiter Kläwe, Reiter Lauterbach, Reiter Leßmann, Reiter Lessing, Reiter Jordan, Reiter Meiburg, Unteroffizier Morhenne, Reiter Müller, Gefreiter Niemeyer, Gefreiter Panzlaff, Reiter Piersdorf, Reiter v. Quitzow, Reiter Ratte, Gefreiter Röhlig, Sanitäts-Unteroffizier Rusch, Reiter Schuchard, Reiter Schunk, Reiter Skur, Gefreiter Stern, Reiter Talheim, Reiter Tobeck, Gefreiter Tünschel, Gefreiter Wede, Reiter Wilke, Reiter Wustrow, Unteroffizier Zimmermann.
1890 (67)
Die Truppenstärke am 15. April 1891 war 226, bestehend aus 9 Offizieren, 32 Unteroffizieren und 185 Mann und ergaben folgende Truppeneinteilung:
Stab: 1 Führer, 1 Stabsarzt, 1 Intendanturbeamter
I. Kompagnie: 1 Führer, 1 Lieutenant, 10 Unteroffiziere, 57 Reiter, 1 Lazarettgehilfe unterstützt von 50 Eingeborenen
II. Kompagnie: 1 Führer, 1 Lieutenant, 10 Unteroffiziere, 57 Reiter, 1 Lazarettgehilfe unterstützt von 50 Eingeborenen
III. Artilleriekompagnie: 1 Führer, 1 Lieutenant (Artillerist), 8 Unteroffiziere (2 Artilleristen darunter), 49 Reiter (12 Artilleristen darunter), 1 Lazarettgehilfe unterstützt von 67 Eingeborenen
1891 (226)
In einem Bericht des Major Alfred von François vom 12. Juni 1892 besteht die 308 Mann Truppe aus 12 Offizieren, 70 Unteroffizieren und 226 Reiter. Die Truppeneinteilung und Stärke ist folgende:
Stab: 5 Offiziere, 3 Unteroffiziere, 6 Reiter
1. Kompagnie: 2 Offiziere, 21 Unteroffiziere, 60 Reiter 2. Kompagnie: 2 Offiziere, 21 Unteroffiziere, 60 Reiter
3. Kompagnie: 2 Offiziere, 21 Unteroffiziere, 60 Reiter
Station Windhoek: 1 Offizier, 3 Unteroffiziere, 30 Reiter
Station Tsaobis: 1 Unteroffizier, 10 Reiter
1892 (308)
1893 (350)
1894 (515)
1895 (724)
1896 erfolgte eine Neuorganisation der Truppe. Zu den bestehenden vier Feldkompanien kamen eine Feldbatterie und eine Handwerkerabteilung hinzu, später auch ein Kommando der Eisenbahntruppe. Der Stab, die 1. Kompanie und die Feldbatterie waren in Windhoek stationiert, die 2. Kompanie lag in Omaruru, die 3. Kompanie in Keetmanshoop und die 4. Kompanie in Outjo.
1896 (933)

Am 16. November 1893 wurde Leutwein auf vier Monate zur Dienstleistung beim Auswärtigen Amt kommandiert und zum Jahresende nach Deutsch-Südwestafrika entsendet, um den dortigen Landeshauptmann Curt von François zu unterstützen. Unter Stellung à la suite seine Regiments verlängerte sich sein Kommando ab März 1894 um ein weiteres Jahr und ihm wurden zu diesem Zeitpunkt die Geschäfte des interimistischen Landeshauptmanns von Deutsch-Südwestafrika übertragen. Seine Ernennung zum Gouverneur des Schutzgebietes erfolgte 1898. Beauftragt, die deutsche Machtstellung den Eingeborenen gegenüber unter allen Umständen aufrechtzuerhalten und zu befestigen, führte er – seit Anfang 1895 als Nachfolger von François nun auch Kommandeur der Schutztruppe.
Im Jahr 1897 setzte sich das Personal wie folgt zusammen: zwei Majore, vier Hauptleute, fünf Premierleutnants, 18 Sekondeleutnants, vier Stabsärzte, ein Assistenzarzt, ein Rossarzt (Veterinär), 700 Unteroffiziere und Mannschaften, zusammen 735.
1897 (735)
Die Truppenanzahl für das Jahr 1898 war 755: 1 Stabsoffizier (Vertreter des Truppenführers), 5 Hauptleute, 9 Premierlieutenants, 12 Sekonder-Lieutenants, 1 Oberstabsarzt, 2 Stabsärzte, 3 Assistenzärzte I. Klasse, 1 Assistenzarzt II. Klasse, 1 Rossarzt, 8 Zahlmeisteraspiranten, 1 Oberfeuerwerker, 1 Oberbüchsenmacher, 16 Feldwebel, 49 Sergeanten, 77 Unteroffiziere (einschließlich Lazaret-Gehilfe), 178 Gefreite und 390 Reiter.
1898 (755)
1899 (764)

1900 (758)
1901 (731)
Die Truppenanzahl für das Jahr 1902 war 823: 42 Offiziere und Sanitätsoffiziere, 1 Roßarzt und 780 Unteroffiziere und Mannschaften.
1902 (823)
1903 (756)
Im Januar 1904 standen diese 756 deutschen Soldaten einigen Tausend gut bewaffneten Kämpfern der Hereros entgegen. Eiligst in das Kriegsgebiet gesandte Verstärkung erhöhte die Truppenstärke auf 11267.

1904 (11267)
1905 (14926)
1906 (9901)
1907 (7838)
1908 (3868/2996)
1909 (2430)
1910 (2181)
1911 (2179)
1912 (1970)
1913 (1967)
Die Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika besteht 1914 aus 6 Stabsoffizieren, 13 Hauptleuten, 70 Oberleutnants und Leutnants, 2 Feuerwerksoffizieren, 9 Veterinäroffizieren, 1 Kriegsgerichtsrat, 1 Kriegsgerichtssekretär, 2 Intendanturräten, 5 Intendantursekretären, 1 Intendanturbausekretär, 4 Proviantamtsinspektoren, 2 Bekleidungsamtsinspektoren, 2 Stabsapothekern, 1 Zahnarzt, 1 Waffenrevisor, 11 Waffenmeistern, 4 Magazinaufsehern, 20 Unterzahlmeistern, 5 Oberfeuerwerkern und Feuerwerkern, 2 Schirrmeistern, 342 Unteroffizieren, 1366 Mannschaften, zusammen 1870. Die Schutztruppe gliedert sich in 9 Kompanien, 3 Batterien und 2 Verkehrszüge.
1914 (1870/5928)

Im Jahre 1914 wurde die 1,870 Kopf starke Schutztruppe durch Mobilmachung der Zivilbevölkerung auf 5,928 erhöht und kämpfte im Südwestafrika Feldzug 1914/15 gegen etwa 60,000 Truppen aus der Union von Südafrika.
Zusammen gestellt von Harald Koch mit der tatkräftigen Unterstützung von Wolfgang Reith, Gordon McGregor & Norbert Koch 6. Dezember 2023



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