Orden
Als im August 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, wurde vom Deutschen Kaiser Wilhelm II., für besondere Verdienste und Leistungen im Kampf auf den Schlachtfeldern, das Eiserne Kreuz wieder zur Einführung gebracht. Damit folgte er der Tradition seiner Vorgänger auf dem Thron Preußens. Denn schon König Friedrich Wilhelm III. hatte dieses Eiserne Kreuz in den Napoleonischen Befreiungskriegen 1813 in drei Klassen gestiftet.
Auch König Wilhelm I. brachte diese Auszeichnung 1870 für den Deutsch-Französischen Krieg zu einer Neuauflage.
Die Vergabe des Eisernen Kreuzes sollte auch in den fernen deutschen Kolonien erfolgen. Obwohl man in Deutschland für die Kolonien vorerst mit keinen Kampfhandlungen rechnete, waren die Kommandeure der Schutztruppen gehalten, Eiserne Kreuze bei eventuell einsetzenden Kämpfen, im Namen des Kaisers zu verleihen.

Doch die deutschen Kolonien in Afrika und Asien sollten vom Kriege nicht verschont werden. In Deutsch Südwestafrika kam es am 26.9.1914 bei Sandfontein zu einer großen Schlacht mit den Truppen der britisch beeinflussten Südafrikanischen Union.
Hierbei konnte die zahlenmäßig weit unterlegene deutsche Schutztruppe gegen die hochgerüsteten Soldaten Südafrikas einen klaren Sieg erringen. Nach der Schlacht wurde der Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe Oberstleutnant Joachim von Heydebreck bei Dr. Theodor Seitz, dem Gouverneur der Kolonie vorstellig und schlug vor, einige der am Kampf beteiligten Soldaten mit dem Eisernen Kreuz auszuzeichnen.
Da Deutsch Südwestafrika wie die meisten deutschen Kolonien, wegen des Krieges vom Mutterland abgeschnitten war, musste nach Möglichkeit eine Übergangslösung gefunden werden, bis die eigentlichen Orden aus Deutschland eingetroffen waren. Auch eine provisorische Ersatzordens-Fertigung aus Metall konnte nicht ins Auge gefasst werden, denn es gab in den Kolonien keine Fabrik die einen entsprechenden Ersatzorden aus Metall hätten fertigen können. So regte die Frau des Gouverneurs von Deutsch Südwestafrika, Hildegard Seitz, an, den Soldaten der Schutztruppe zwischenzeitlich einen provisorischen Orden aus Textilstoff zu überreichen. Dieser Stofforden könnte dann von den Frauen der „Frauenabteilung des Deutschen Roten Kreuzes in Übersee“ gefertigt und anschließend direkt an die Uniform genäht werden. Dieser Vorschlag der Gouverneursgattin wurde vom Kommando der Schutztruppe angenommen. Eine entsprechende Verordnung zur Regelung der Vergabe der provisorischen Auszeichnung „schwarzes Kreuz mit weißem Rand“, wurde am 18.10.1914 in die Wege geleitet.

Von den Soldaten der Schutztruppe wurde das Abzeichen schon bald als „Hildegard Orden“ bezeichnet. Der Stofforden stellte, laut Verordnung eine klassenlose Auszeichnung dar und war sowohl für Offiziere, als auch für Mannschafts-Dienstgrade gedacht. Bei der Vergabe gab es keine Unterteilung in Erster- und Zweiter Klasse.
Die ersten Orden dieser Art, kamen am Geburtstag der Deutschen Kaiserin „Auguste Viktoria“ am 22.10.1914 zur Verleihung und zwar zu einem größten Teil an 42 Reiter des 2.Schutztruppenregimentes (die Schutztruppe von Deutsch Südwestafrika war zum größten Teil eine berittene Truppe), welches bei „Sandfontein“ siegreich gekämpft hatte. Die nächsten Auszeichnungen an 37 Reiter des 1. und 3.Schutztruppen Regimentes erfolgte am 27.1.1915 dem Geburtstag des Deutschen Kaisers, in dem Ort Aus.
Ob und wie viele weitere Empfänger des „Hildegard Ordens“ noch zu verzeichnen sind, lässt sich heute nicht mehr sagen, denn alle Dokumente und Archivmaterialien (besonders die von Potsdam) sind durch die Ereignisse des 2.Weltkieges verschollen.

Die beiden angegebenen Namenslisten waren auf das Betreiben von Oberstleutnant „von Heydebreck“ erstellt worden, dieser kam im November 1914 bei einer Versuchsreihe mit neuen Gewehrgranaten ums Leben. Der Nachfolger als Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch Südwestafrika, Oberst Viktor Franke, lehnte die Stofforden ab und ging wieder dazu über normale Eiserne Kreuze zu verleihen.
Ab Mitte 1915 drohte der Schutztruppe in Deutsch Südwestafrika die Vernichtung, durch die übermächtigen Truppen der Südafrikanischen Union. So erfolgte am 9.7.1915 bei Khorab in der Nähe der Otavi-Bahn die Kapitulation der Deutschen.


Nach der Kapitulation wurden alle aktiven Offiziere und Mannschaften in das Internierungslager Aus in der ehemaligen deutschen Kolonie verbracht. Den dort Wache schiebenden südafrikanischen Soldaten, fielen die ungewöhnlichen Stoffauszeichnungen in Form des „Eisernen Kreuzes“ besonders ins Auge.
Nach dem 1. Weltkrieg ersetzte man von Seiten der neu geschaffenen „Deutschen Reichswehr“, den Hildegard Orden durch Eiserne Kreuze Zweiter Klasse. Danach geriet die ganze Stoff-Ordensgeschichte in Vergessenheit, bis er im Jahr 1937 im Rahmen einer kolonialen Gedenkveranstaltung in Dresden, zum ersten und einzigen mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
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