Militärhistorisches und Ausrüstung

Ein Kampf um Wasser

D.S.W.A.

Weltkriege

27.10.2024
Winfried Törnig

Auf Grund der topografischen Gegebenheiten war (und ist) Wasser in Deutsch Südafrika (heute Namibia) ein besonders hohes Gut. Sand, Hitze und Durst quälen dort Menschen und Tiere. Die Erschließung von Wasser ist da die Grundvoraussetzung für ein Dasein aller Lebewesen. Das Bohren nach Wasser, oder die Aufspeicherung des seltenen und dann zumeist reichlich fallenden Regenwassers ist wichtig für eine wirtschaftliche Nutzung des Landes, nach europäischen Maßstäben. g3

Wasserstelle bei Windhuk [1]g3

Angehörige der kaiserlichen Schutztruppe bei der Wassersuche [2]

Das alles galt auch für die zumeist berittene kaiserliche Schutztruppe und die Eisenbahn, deren Wasserverbrauch war enorm. Auch die großen Aufstände im Jahre 1904, wurde wegen Wasser geführt.

Ein Grundwasser, welches aus den Tiefen der Namibwüste, unweit der Walfischbai, bei Sandfontein, in Form von mehreren  trinkwasserführenden Quellen zutage tritt, hat hier eine reichhaltige Vegetation gedeihen lassen. Diese Wasserquellen standen auch beim Militär im Fokus.

Mühseliger Warentransport über Stock undStein, mittels Maultieren mit Wasserfässern [3]

Die Wasserstellen bei Sandfontein kannte man auch in der von Großbritannien dominierten südafrikanischen Union. Denn bei dem südafrikanischen Generalstab in Pretoria verfügte man über ein entsprechendes genaues Kartenmaterial. Auch über eventuelle  Verteidigungspläne der Deutschen, wussten die Militärs der südafrikanischen Union bestens Bescheid.

Der Weg nach Sandfontein

Die in Kamina (Togo) gelegene deutsche Großfunkstation funkte am 5.8.1914 die Nachricht von der Kriegserklärung Großbritanniens an das Deutsche Reich, nach Windhuk.

Gouverneur Dr. Seitz erklärte daraufhin sofort den Belagerungszustand und ordnete die allgemeine Mobilmachung für das gesamte deutsche Schutzgebiet an.

Zu Ausbruch des 1. Weltkrieges befand sich fast die ganze Schutztruppe im Manöver. Nur die 3. Kompanie und einige kleine Militärstadionsbesatzungen waren auf ihrem entsprechenden Posten.

SMS „Straßburg“, kleiner Kreuzer derMagte-burgklasse. Dez. 1913 in der Lüderitzbucht – Deutsch Südwestafrika. Bei einen Kriegsfall, hoffte man dort auf den Einsatz der kaiserlichen Kriegsflotte. [4]

Die Pläne des Schutztruppenkommandos für eine militärische Auseinandersetzung, liefen darauf hinaus:

Keinen Widerstand an den Küsten; Räumung von Swakopmund und der Lüderitzbucht. Bei feindlichen Landungen, nur entsprechende Störungen. Sprengungen der Bahnlinien und erster Widerstand bei den Orten Aus und Usakas. Sicherung des nördlichen Schutzgebietes, insbesondere Windhuk und Karin Ortenbib durch Kräfte der Landespolizei und des Landsturms. Ansonsten Bereitstellung der Schutztruppen Hauptkräfte im Süden des Schutzgebietes.

Landwehr- und Landsturm-Reservisten der Schutztruppe mit dem Mauser-Gewehr 88 [6]

Die Mannschaften der Landwehr und des Landsturms trugen zumeist an ihren Kopfbedeckungen diese Kokarde [5]

Die Mobilmachung der Schutztruppenkräfte war bis zum 8.8.1914 so gut wie beendet. Die einzelnen Kompanien der Truppe wurden plangerecht mit Waffen und Material sowie mit Ergänsungsmannschaften ausgestattet. Männer der Landwehr und des Landsturms wurden als Reserve eingezogen. Zusammen mit der Landespolizei fanden diese zur Sicherung von Siedlungen und Farmen Verwendung. Insgesamt standen auf deutscher Seite rund 2000 Mann an Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften unter Waffen.

Eine Versorgungsbevorratung für die Deutschen militärischen Kräfte war für einen Zeitraum von 14 Monaten, für ca. 2100 Soldaten, 600 einheimischen Hilfskräften, 2000 Pferden, 1250 Maultieren und 500 Kamelen angelegt. Diese lächerlich geringen militärischen Kräfte standen für die Verteidigung des 835100 Km² (anderthalbmal so groß wie das Deutsche Kaiserreich) großen Schutzgebietes zur Verfügung.

Angehöriger der südafrikanischen Union Defence Force mit dem britischen Lee Enfield Gewehr MK 1 Kaliber 303 Britisch [7]

Bis an die Zähne bewaffnet. Angehörige der südafrikanischen „UDF“ (Union Defence Force) stellen sich mit einem MG bestückten Auto dem Fotografen. [8]

Auf der Gegenseite konnte Südafrika bei Kriegsbeginn für ihren Einsatz gegen Deutsch Südwestafrika auf eine Stärke von 67250 Weiße und 33500 farbige Soldaten zurückgreifen. Diese formierten sich in 5 Regimenter der “South

African Mounted Rifles “, aus ca. 10 Regimenter der „Aktive Citizen Force“ sowie weiteren Bataillonen der „ Citizen Force Reserve“ und der National - Reserve. Wehrtechnisch verfügten die südafrikanischen UDF Truppen über eine reichlich moderne Ausrüstung, mit Motorfahrzeugen (zum Teil gepanzert) moderner Artillerie, Kriegsschiffen, einem modernen Nachrichtensystem und zu einem späteren Zeitpunkt auch über Flugzeuge.

Das Gefecht

Ein starker südafrikanisch-britischer Verband von 2600 Soldaten, darunter 500 farbiger Soldaten machte sich durch ein sehr trockenes Gebiet auf den Weg nach Sandfontein . Am 26.9.1914 erreichte ein Vortrupp von 190 Soldaten unter dem Kommando von Oberstleutnant Grant siegessicher das deutsche Territorium um Sandfontein, um die dortigen Wasserstellen zu besetzen. Ihr Ziel war es, von hier aus weiter in deutsche Gebiete vorzudringen.

Da auch für die Deutschen das Wasser von Sandfontein von Bedeutung war, zog man in kurzer Zeit bei der deutschen Schutztruppe alle in dieser Region zur Verfügung stehenden Kräfte zusammen, um hier den feindlichen Eindringlingen mit einem Gegenangriff Einhalt zu gebieten. Der Kommandant der Schutztruppe Oberstleutnant von Heydebreck hatte hier für die britischen Südafrikaner eine Falle vorbereitet.

So näherte sich von Süden her das 1. Feldbataillon der deutschen Schutztruppe unter dem Kommando von Major Emil von Rappard , während sich das 2. Feldbatallon unter Major Viktor Franke auf der Ostflanke bereitstellte. Die Westflanke wurde von dem 3. Feldbataillon unter Mayor Ritter in Beschlag genommen. Die Südafrikaner sollten so durch eine dreiseitige Umklammerung in einer Kesselschlacht bezwungen werden.

Transport einer Schutztruppeneinheit mittels Schmalspur Eisenbahn. Für den schnellen Transport von Soldaten und Material war die Eisenbahn auf beiden Seiten von großer Wichtigkeit. [9]

Nach dem langen anstrengenden Anmarsch waren die südafrikanischen Soldaten und ihre tierischen Begleiter erschöpft. Deshalb wurde von erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen Abstand genommen. Auch die hohen Berge der Umgebung, wo die Soldaten der Schutztruppe lauerten, wurden von den Südafrikanern nicht in Augenschein genommen. Die Berge ließen auch keine brauchbaren Fluchtwege zu. Obwohl der Befehlshaber der südafrikanischen Truppen, General Sir Henry Lukin, damit rechnete, die deutsche Schutztruppe würde die Sandfontein Quellen nicht ohne Gegenwehr preisgeben, leitete er keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen ein.

In einer Stärke von rund 1700 Soldaten war die deutsche Schutztruppe den Südafrikaner zahlenmäßig unterlegen. Aber es konnte die beachtliche Feuerkraft von vier Maschinengewehren und 10 Geschützen zum Einsatz gebracht werden.

Eine Maschinengewehr-Abteilung der Schutztruppe in Feuerstellung bei Sandfontein. Das deutsche MG 08 Kal. 7.92x57 mm wurde von der Schutztruppe sehr effektiv eingesetzt. [10]

Karte von Deutsch Südwestafrika mit den in Rot gekennzeichneten Vormarschwegn der Südafrikaner [11]

Eine Patrouille der Südafrikaner in die näheren Umgebung sollte hier weitere Klarheit bringen. Doch der ständige Beschuss durch die Schutztruppe forderte hohe Verluste und hatte den Rückzug nach Sandfontein zur Folge.

In der Zwischenzeit hatte sich die Schutztruppe unter Beibehaltung von schwerem Maschinenge- wehrfeuer zu der Wasserstelle von Santfontein vorgearbeitet.

Auf Grund des bisherigen fahrlässigen Verhaltens von General Lukin , übernahm Oberst Grant das Kommando bei den Süfafrikanern . Dieser veranlasse zunächst einen strategischen Rückzug zu dem nahegelegenden Kopje - Berg. Die Bewegungsfreiheit der Südafrikaner war jedoch durch das anhaltende Maschinengewehrfeuer der Schutztruppe weiter sehr eingeschränkt. Besonders eines der Schutztruppen MG war äußerst gut positioniert und verursachte so erhebliche Verluste bei den Südafrikanern.

Die Südafrikaner mußten bald feststellen, dass die Schutztruppensoldaten alle dem Feind zugute- kommenden Telegraphen - und Telefonleitungen gekappt hatten. So hatten die eingeschlossen Süd- afrikaner keine Möglichkeiten mehr Verstärkungen herbei zu rufen .

Auch die von den Südafrikanern mitgeführte Artillerie erwies sich gegenüber den Schutztruppen Kanonen wenig effektiv. Nur durch Positionswechsel konnten einige Treffer erzielt werden. Letzt- lich wurde sie von der deutschen Artillerie zum Schweigen gebracht.

Britische 18 Pfünder Feldkanone. Kal. 83.8 mm, Reichweite 8,7 Km. Einführung 1903. Diese Kanone wurde von den britischen und den Commonwealth-Streitkräften bis 1940 auf allen Kriegsschauplätzen mit britischer Beteiligung eingesetzt. [12]

Nachdem die Schutztruppe die feindliche Artillerie niedergekämpft hatte, rückten die Deutschen weiter zum Kopje Berg vor und begannen die eingeschlossenen Südafrikaner heftig mit Granaten zu beschießen. Der südafrikanische Widerstand hielt trotz praller Sonne den ganzen Tag an. Doch am Ende mußte Oberst Grant mit seinen Soldaten die weiße Fahne hissen. Die restlichen, nicht eingeschlossenen südafrikanischen Soldaten traten den Rückzug zu ihrem in der Nähe liegenden Stützpunkt bei Steinkopf an.

Kapitulation: Oberst Grant übergibt seinen Degen an den deutschen Major Franke. [13]

(Es wird berichtet, dass zu diesem Zeitpunkt die verbleibenden Soldaten beider Seiten zu dem Brunnen stürmten, um ihren Durst gemeinsam zu stillen.) Die deutsche Schutztruppe hatte einen beachtlichen militärischen Sieg errungen. Zudem fielen durch Zufall die südafrikanisch-britisch Operationspläne in die Hände der Schutztruppe, denn ein Reiter konnte drei Offizierspferde erbeuten, in deren Satteltaschen befanden sich sämtliche Pläne mit jeder Menge kartographischen Materials.

Die südafrikanisch - britischen Truppen hatten große Verluste erlitten, nach ihren Angaben hatte man 50 Tote und 100 Verwundete zu beklagen. Die deutsche Seite beklagte 14 Tote darunter 2 Offiziere. Leider war auch der fähige Major Emil von Rappard unter den Toten. Daneben konnten die Deutschen, 14 Offiziere nebst 240 Soldaten in Gefangenschaft nehmen, darunter auch den im Verlauf der Kämpfe verwundeten Oberst Grant.

Der verwundete Oberst Grant als Gefangener am Bahnhof von Windhuk [14]

Gefangene südafrikanische Soldaten, ebenfalls am Bahnhof von Windhuk [15]

Auch die materielle Beute konnte sich sehen lassen, so erbeutete die Schutztruppe zwei Geschütze sowie mehrere Maschinengewehre mit reichlich Munition, Transportfahrzeuge und zahlreiche Pferde.

Von der Schutztruppe bei Sandfontein erbeutete britische Vickers Maschinengewehre. Das zuverlässige wassergekühlte Vickers Maschinengewehr im Kal. 303 britisch, war bei den britischen Streitkräften von 1912 bis 1965 im Einsatz. [16]

„Ein Verbrechen an der weißen Rasse“, so lautete eine Protestnote welche der Oberbefehlshaber der Schutztruppe von Deutsch-Südwestafrika Oberstleutnant von Heydebreck nach dem Gefecht von Sandfontein an die südafrikanische Regierung sendete , in welche er sich darüber beschwerte, dass Südafrika farbige Soldaten gegen die Schutztruppe zum Einsatz gebracht hätte. Die Leiden der indigenen Volksgruppen in diesem europäischen Konflikt, fanden auf beiden Seiten keine Erwähnung.

Ein stolzer Reiter der Schutztruppe. Trotz des deutlichen deutschen Erfolges bei Sandfontein, ging der Krieg in Südwestafrika weiter und es kam zu vielen kleineren Gefechten. Schließlich erlag die Schutztruppe Anfang 1915 der südafrikanischen Übermacht. [17]

Bildernachweis

1. Altes Chlor-Foto 1911. Bildbearbeitung W. Törnig

2. Bild aus einem Sammelbilderalbum. Bearbeitung W. Törnig.

3. Altes SW Foto von W. Törnig koloriert.

4. Alte Postkarte. Bearbeitung W. Törnig

5. Bildersammlung und Bearbeitung W. Törnig.  

6. Altes SW Foto von W. Törnig koloriert.

7. Bildersammlung und Bearbeitung W. Törnig.

8. Altes SW Foto von W. Törnig koloriert.

9. Bild Wikimedia. Bearbeitung/koloriert W. Törnig.

10. Bild aus dem Afrikan Museum in Aus. Bearbeitung/koloriert W. Törnig.

11. Wikipedia Karte. Bearbeitet von W. Törnig.

12. Bildberarbeitung von W.Törnig, nach einem Foto aus dem Imperial Museum London.

13. Gemälde von Ernst M. Heims 1866 - 1922. Bearbeitung W. Törnig.

14. Süddeutsche Zeitung Photo. Bearbeitung W. Törnig.

15. Süddeutsche Zeitung Photo. Bearbeitung W. Törnig.

16. Süddeutsche Zeitung Photo. Bearbeitung W. Törnig.

17. Bild WW 1 Colourised Pholtos. Bearbeitung W. Törnig.

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