Waffen
Text & Bilder Rolf Selzer
Sowohl in der Wissmanntruppe wie auch in der kaiserlichen Schutztruppe DSW wird der preussische Säbel für berittene Infanterie-Offiziere von 1849 geführt. Nicht gesichert ist die Verwendung der Waffe in der Gesellschaftstruppe des Reichskommissars Dr. Göring bzw. in der Francoistruppe. Für diese Schutztruppe der Deutschen Colonial-Gesellschaft für Südwest-Afrika (D.C.-G.S.W.-A.) waren bisher keine Angaben zu einem bestimmten Offizier-Seitengewehr auffindbar. Die einzelnen Führer waren jedoch zumeist Reserveoffiziere. Dem damaligen Selbstverständnis entsprechend wäre - zumal die Truppe uniformiert war - auch Offizierseitengewehr und Portepee denkbar. Bilddokumente aus den Anfangsjahren der späteren kaiserlichen Schutztruppe DSW belegen ebenfalls die dortige Verwendung des Säbels. Ob diese Waffen offiziell vorgeschrieben waren, von den Offizieren beim Übertritt in die Schutztruppe mitgebracht wurden oder noch aus „v. Francois-Zeiten“ stammten, ist ungeklärt. Die dies aufklärende „vorläufige Bekleidungsvorschrift für die Schutztruppe für Südwestafrika vom 2. August 1894“ gilt als verschollen.
DOA
Im Rahmen dieses Artikels kann auf die Unterschiede zwischen den preussischen und mecklenburgischen 1849er Säbel für berittene Infanterie-Offiziere nicht näher eingegangen werden. Die folgenden Angaben beziehen sich demnach allein auf das preussische oder in diesem Fall reichsdeutsche Modell. In offiziellen Veröffentlichungen taucht die Waffe unter der Bezeichnung „Offizier-Feldzugssäbel“ oder „Schleppsäbel“ - im Gegensatz zu den im preussischen Heer „hängend“ getragenen Offizierseitengewehren - auf.
So auch in der „Vorschrift über die Handhabung des Dienstbetriebes auf den Stationen der Schutztruppe für Ost-Afrika" vom 4. Nov. 1890. Erwähnt wird hierbei ein Schleppsäbel mit Portepee für Offiziere, bzw. Schleppsäbel mit Portepee oder Faustriemen für Unteroffiziere. Hauptmann Hettler schreibt darüber (1): "Zum Parade- und Dienstanzug wurde von Offizieren und Unteroffizieren ein Schleppsäbel getragen. Der Schleppsäbel ist der für Offiziere der Fußtruppen 1849 eingeführte Feldzugsäbel. Unteroffiziere trugen vermutlich dieselbe Probe. Offiziere, Deckoffiziere und Feldwebel trugen zum Säbel das Kavallerie-Portepee, auf einigen Bildern nach preußischen Probe, nach Maercker in den Reichsfarben (Probe für badische
usw. Truppen). Sergeanten und Unteroffiziere einen Faustriemen, über dessen heraldische Farben Angaben fehlen."
Er bezieht sich damit auf eine der wenigen zeitgenössischen Quellen, die außer allgemeinen "Feldzugserlebnissen" auch exakte Angaben zur Uniformierung und Bewaffnung bringt; Georg Maercker (2): "Die Bewaffnung der Offiziere bestand aus dem Infanteriefeldzugssäbel am ledergedrehten Koppel und mit schwarz-weiß-rot durchflochtenem Kavallerie-Portepee, dem Armeerevolver und bei Expeditionen aus dem Karabiner M/71, der von einem schwarzen Diener nachgetragen wurde."
Es scheint, daß der „Offizier-Feldzugsäbel“ in der Anfangszeit die einzige staatlich gelieferte Blankwaffe der ostafrikanischen Schutztruppen-Feldwebel waren. In den „Bekleidungs-Bestimmungen für die Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika“ von 1891 wird ihnen bereits der Schutztruppen-Offizier-Degen a/A mit glatter Griffschraube zugestanden. Die Vorschrift kollidierte aber möglicherweise mit der angesetzten Trage- bzw. Verbrauchszeit der bereits gelieferten Säbel. Bei den Offizier-Feldzugssäbel wurde diese, wie aus der folgenden Vorschrift hervorgeht, auf 10 Jahre festgesetzt. Im "Deckblatt No. 6 zu den Organisatorischen Bestimmungen für die Kaiserliche Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika vom 30. Dezember 1892" wurden in der "Waffen und Munitions-Bedarfsnachweisung" 22 Offizier-Feldzugssäbel nebst Koppel für die 10 Feldwebel und 12 schwarzen Lieutenants (sic) aufgeführt. Der in der 1892er Verordnung erwähnte Feldzugsäbel wird am 5. Januar 1893 per Nachtrag geändert: „Infanterie-Degen, für Offiziere mit Kaiserkrone“.
Ein Offizier-Degen wird in der 1892er Aufstellung nicht erwähnt. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da die Offiziere ihre Waffen auf eigene Kosten beschaffen mußten. Diese somit deren Privateigentum blieben und in die offiziellen Waffenetats auch keinen Eingang fanden. Anders verhält es sich bei den Portepee-Unteroffizieren, deren Waffen gestellt wurden und Staatseigentum waren. Realstücke verschiedener in den Schutzgebieten geführten Blank- und Schußwaffen erlauben aber Rückschlüsse auf die Beschaffungswege. In der Armee geführte Waffen wurden zumeist über das Artillerie-Depot Spandau (12) beschafft. Diese Stücke hatten vorher die militärische Abnahme durchlaufen und trugen folglich auch die preussischen Abnahmestempel. Anders verhält es sich bei Offizier-Seitengewehren sowie bei den in der Armee nicht üblichen Modellen. Diese wurden von der Kolonialabteilung (später Kolonial-Amt) direkt bei Händlern und Fabrikanten angekauft.
Doch nun zurück zum M/49. Die Ausrüstungsgegenstände und somit auch die preussischen Säbel für berittene Infanterie-Offiziere der Wissmanntruppe wurden über den DEUTSCHEN OFFIZIER-VEREIN BERLIN (1,3,4,5,7,15) bezogen. "Die persönliche Ausrüstung zur
Expedition hatte ich beim deutschen Offizierverein in Berlin beschafft, der ja umfassende praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der Manöver- und Feldzugs-Equipierung gesammelt hat, woran naturgemäß die Kolonialausrüstung zunächst anlehnt (3)." Der „Offizierverein“ war nicht nur die zivile Beschaffungsstelle für Wissmann sondern auch für v. Francois(12). Deren Bestände später auch nahtlos in die kaiserliche Schutztruppe (13) übernommen wurden.
Auf vorhandenen Fotodokumenten (3,9) läßt sich häufig am M/49 eine unter dem hinteren Stichblatt verschraubte Signalpfeife feststellen. Ein zusätzlicher Halt derselben wird dadurch erreicht, daß das Mundstück durch den Endknopf geführt wird.

Literarische Glosse (4) zu einem ähnlichen Säbel: „Über den Kampfwert der Waffe liegen keine Angaben vor; mag es auch eher einer kultischen als einer militärischen Handlung gleichsehen, wenn der Säbel akustisch eingesetzt wird - zum Pfeifen ist er brauchbar.“ Zumindest letzterem kann zugestimmt werden; laut genug ist der Säbel. Der Gedanke an einen mit dem Säbel pfeifenden Offizier mag heute verblüffen. Maßgeblich für die damalige Sichtweise war aber allein das Exerzier-Reglement (6)! „Der Offizier kann zur Bezeichnung der Marschrichtung und zum Halten Winke mit dem Degen (Säbel) geben; für letzteren Zweck dient Hochheben und unmittelbar darauf folgendes Senken des Degens (Säbels), zum Bezeichnen des Sammelpunktes für die Schützen Heben des Degens. Sonstige Zeichen für bestimmte Verrichtungen bedürfen der besonderen Festsetzung des Führers. In der Schützenlinie gilt der Pfiff als Befehl zum Einstellen des Feuers und zur Achtsamkeit auf die weiteren Weisungen des Führers.“ Ein zusätzlicher Griff zur Signalpfeife wird also durch den sowieso im Gefecht gezogenen Säbel eingespart. Links die Zügel, rechts der Säbel und das ganze noch in der Bewegung. Hier ist wenig Platz für eine Signalpfeife.
In den Schutzgebieten wurde nach gleichem - d.h. preussischen - Exerzier-Reglement verfahren (9).
Um so verständlicher sind die vom DEUTSCHEN OFFIZIER-VEREIN BERLIN vertriebenen Feldzugsäbel mit „Schützenpfeife“. Heute nicht mehr nachweisbar ist allerdings, ob alle „afrikanischen“ Offizier-Seitengewehre damit ausgestattet waren. Zumindest für die in Ostafrika eingesetzten Säbel M/1849 neigt der Verfasser aber zu dieser These.
DSW
Gleiche Feldzugsäbel fanden auch im südwestafrikanischen Schutzgebiet Verwendung. Interessant dazu auch das in Windhoek aufgenommene Foto eines Hauptmanns der Schutztruppe. Der Offizier trägt einen solchen Feldzugsäbel mit Schützenpfeife. Durch die sachkundige Mithilfe von Siegfried Godendorff gelang seine Identifizierung als Hans-Joachim von Heydebreck. Die Aufnahme kann somit auch erst nach 1898 - also nach dessen Beförderung zum Hauptmann - erfolgt sein. Weitergehende Angaben zur Bewaffnung der deutschsüdwestafrikanischen Offiziere mit diesem Säbel müssen mangels erreichbarer Quellen vorerst zurückgestellt werden.

Hinzu kommt eine mit 1893 datierte Aufnahme einer Gruppe von Unteroffizieren. Der „Spieß“ führt bereits einen Degen nach preussischem Modell 1889. Ob es sich hierbei um den Infanterie-Offizier-Degen n/A oder bereits um den Degen der Portepee-Unteroffiziere der Schutztruppe handelt, ist auch in der Vergrößerung nicht zweifelsfrei festzustellen. Dagegen gibt es beim „Säbel für berittene Infanterie-Offiziere“ keine Zweifel. Der Unteroffizier trägt dieses Modell mit Signalpfeife!


Efendi
In der Schutztruppe DOA stehen den farbigen Mannschaften und Unteroffizieren farbige Offiziere, sogenannte Efendi, vor. Deren Bewaffnung wird in der oben schon zitierten Vorschrift vom 4. Nov. 1890 wie folgt angegeben: "Offiziere tragen Schleppsäbel ohne Portepee". Dieser Schleppsäbel wird folgerichtig als der preuß. M/52, bzw. M/52/79 beschrieben (1,2,8,9). Dem widersprechen aber die für 1892 angegebenen Offizier-Feldzugssäbel. Ob 1892 nun den Efendis und Feldwebeln der Offizier-Säbel oder der Kavallerie-Säbel vorgeschrieben ist, kann z.Z. nicht geklärt werden. Das in diesem Zusammenhang des öfteren abgebildete Foto von Wissmann im Kreise von drei deutschen Offizieren sowie eingeborenen Mannschaften und einem Efendi wurde 1889 in Kairo aufgenommen (2,10). Die auf diesem Foto dargestellte Bewaffnung der schwarzen Soldaten und speziell das Portepee des Efendis war das in der ägyptischen Armee übliche! Maercker, der von 1889 bis 1890 Offizier der Wissmann-Truppe war, gibt für diesen Zeitraum eine von späteren Zeitabschnitten abweichende Bewaffnung an (11): "Der Feldwebel trägt zur Sergeanten-Uniform den Schleppsäbel ohne Portepee. Die farbigen Offiziere tragen die Soldaten-Uniform ohne jedes Abzeichen, dazu den Schleppsäbel (ebenfalls ohne Portepee). Der Premier-Lieutenant hat auf den Achselklappen je einen egyptischen Stern". Um die Jahrhundertwende kann aber die Bewaffnung der Efendi mit Säbel M/52 als gesichert gelten. Die farbigen Sol (Feldwebel) führen dann Schußwaffen und Seitengewehre der Mannschaften.
Realstück
Der hier abgebildete „Feldzugsäbel“ entspricht den oben besprochenen Waffen. Die Steckrückenklinge mit Schör trägt auf der Innenseite des Klingenkopfes den Stempel „Königskopf und Ritterhelm“ über „W.K.&.C“ und auf der Außenseite die ausgeschriebene Bezeichnung: WEYERSBERG, KIRSCHBAUM & Cie, SOLINGEN. Wichtig ist die auf dem Klingenrücken eingeätzte Händlerbezeichnung „DEUTSCHER OFFIZIER VEREIN BERLIN“ zusammen mit der geschlagenen Jahreszahl 1887! Eine ausführliche Waffenbeschreibung kann durch die Fotos unterbleiben. Interessant ist in diesem Zusammenhang allein, daß alle Metallteile vernickelt sind.

Quellenangabe
1.) Hettler, Eberhard; „Uniformen der Wissmanntruppe“ in der Zeitschrift für Heereskunde (ZfH) 1933.
2.) Maercker, Georg; Unsere Schutztruppe in Ostafrika, Berlin 1893.
3.) Schmidt, Rochus; Deutschlands Kolonien, Band 1, Ostafrika, Berlin 1894
4.) Maier, Gerd; Preussische Blankwaffen, Band IV, Seite 611 ff. Eigenverlag, Biberach 1978.
5.) Kube, Jan K.; Reprint des Verkaufskatalogs DEUTSCHER OFFIZIER-VEREIN 1901, München o.J.
6.) Exerzier-Reglement für die Infanterie, Berlin, diverse Jahre.
7.) Wissmann, Hermann v.; 10 Aufsätze unter dem Titel "Afrika", Militär-Wochenblatt 1894.
8.) Knötel, Herbert; Das Deutsche Heer, 2. Auflage Stuttgart 1982.