Militärhistorisches und Ausrüstung

Chinesischer Polizeitrupp in Kiautschou

Polizeitruppe

Rolf Selzer

Unter dem Namen „Bahnhofswache unter Gewehr“ erschien vor Jahren in der ZfH 1 ein Foto mit der nachfolgenden Erläuterung: „Daneben gab es noch die im Photo dargestellten Polizeisoldaten als Bahnhofswache. Sie trugen eine durchgehend kakifarbene Uniform. Auf der gleichfarbigen Mütze wurde die Reichskokarde auf dem Mützenband gezeigt. Der Rock hatte 5 Knöpfe und aufgenähte Brusttaschen. Zu dieser Uniform waren die blauen Achselklappen des III. Seebataillons eingeführt worden. Die Rangabzeichen trug man in Form von Ärmelschlaufen. Koppel mit blankem Schloß, Patronentasche M 95 und Gewehr M 88 gehörten zur Ausrüstung.“

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Inzwischen ist ein identisches Bild auf dünnem glänzenden chinesischen Fotopapier aufgetaucht, welches rückseitig die handschriftliche Notiz „Chinesisches Militär“ trägt. Dieser Hinweis wird aber relativiert durch ein Fotoalbum von 1909/10 „Zur Erinnerung an meine Dienstzeit in China“, in dem sich zwei Aufnahmen unter dem Titel „Polizeitrupp in Kiautschou“ befinden. Die eine Aufnahme zeigt die Polizei in den dunklen Winteruniformen. Bei der anderen handelt es sich wiederum um das auch hier vorgestellte Motiv, wenngleich mit dem Hinweis auf die „Sommeruniform“. Und beide Fotos wurden vor dem gleichen, nicht näher beschriebenen Gebäude aufgenommen.

Die in der ZfH verwendete Beschreibung „Bahnhofswache“ läßt sich zumindest nach dem vorliegenden Originalbild weder bestätigen noch verneinen. Präziser ist hingegen die im Erinnerungsalbum verwendete Zuordnung „Polizeitrupp in Kiautschou“.

Unabhängig davon weichen die Uniformen, Waffen und Ausrüstungsgegenstände erheblich von den bekannten Bildern der deutschen Chinesen-Polizei wie auch von den von Knötel her bekannten Zeichnungen ab. Beides ist Grund genug, sich nochmals eingehend mit Bild und Thema zu beschäftigen.

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Zum näheren Verständnis: Die deutsche Chinesenpolizei 2 war allein zuständig für die chinesische Bevölkerung in Kiautschou und der darin gelegenen Stadt Tsingtau. „Kiautschou 3 war ein deutsches Pachtgebiet in der chinesischen Provinz Schantung, benannt nach der Kiautschoubucht und der früher an dieser gelegenen, jetzt ganz verlandeten und unansehnlich gewordenen Stadt Kiautschou (»Leimstadt« nach dem Kiauhŏ, »Leimfluß«), umfaßt 515 qkm und hat 84,000 Einwohner. Das Pachtgebiet erstreckt sich hauptsächlich auf die beiden nach SW, bez. NO gerichteten Halbinseln, die den Eingang in die 33 km lange, 26 km breite und etwa 550 qkm große Kiautschoubucht flankieren, und auf die der Bucht vor- und eingelagerten Inseln sowie endlich auf einen schmalen, um die Bucht laufenden Landstreifen, der die beiden auf den Halbinseln gelegenen Bezirke miteinander verbindet. Die Grenzlinien wurden durch eine deutsch-chinesische Kommission festgelegt, die ihre Arbeiten 10. Oktober 1898 beendete. Nach dem Lande zu wird das Pachtgebiet von einer neutralen Zone zu 50 km Breite umschlossen, einschließlich derer das Gebiet eine Fläche von 7100 qkm besitzt; in der neutralen Zone bedarf China für jede Maßnahme der deutschen Zustimmung.“

Wie aus der Karte 4 ersichtlich, liegt der Ort Kiautschou zwar außerhalb des deutschen Pachtgebietes aber innerhalb der 50-Kilometerzone. Innerhalb dieser neutralen Zone war kein chinesisches Militär stationiert, aber sehr wohl chinesische Polizeikräfte.

Erst in der Detailvergrößerung sieht man die – von der oben verwendeten Uniformbeschreibung – abweichenden Besonderheiten. Die Mützen tragen keine deutschen Kokarden, die Achselklappen dafür chinesische Schriftzeichen.

Als Bewaffnung des Offiziers scheint der sogenannte „China-IOD“ Verwendung gefunden zu haben, während als Bewaffnung vermutlich deutsche Mausergewehre nach System M/1871 Verwendung fanden. Das aufgepflanzte Seitengewehr scheint, wenngleich mit einer doppelseitig geschliffenen Klinge, an das deutsche 71/84 angelehnt zu sei.

Als Koppelschloß findet das bekannte chinesische Modell mit dem aufgelegten Drachen Verwendung.

Für die Verwendung der chinesischen Polizeisoldaten innerhalb der neutralen Zone sprechen auch die von der deutschen Chinesenpolizei her bekannten runden Abzeichen mit gleichlautenden chinesischen und lateinischen Zahlen. Die chinesische Physiognomie ist für Europäer ebenso schlecht zu erfassen wie die europäische für die Chinesen. Vermutlich ist hierin die Ursache der Markierungen zu suchen.

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1 Karlheinz Bühler; Die Polizei in Kiautschou / Tsingtau. Zeitschrift für Heereskunde 1983, Seite 161 ff.

2 Rolf Selzer; Ergänzungen zur Bewaffnung und Uniformierung der „Chinesenpolizei“ in Kiautschou, Zeitschrift für Heereskunde (ZfH) 2003, Seite 37 ff.

3 Meyers Großes Konversations-Lexikon, Leipzig 1907

4 Siehe Meyers Großes …

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